Mar Coll

INTERVIEW MIT MAR COLL

Hast du dich mit Abschluss des Studiums bereit dazu gefühlt, im audiovisuellen Bereich zu arbeiten?

Ich habe mich nicht bereit gefühlt, weil Berufserfahrung etwas ist, was man erst lernt, wenn man sie erlebt. Ich denke, das Studienende wird von allen Studenten in allen Bereichen gefürchtet. Auf jeden Fall hatte ich den nötigen Mut und das Verantwortungsbewusstsein, die guten und zahlreichen Chancen, die sich mir geboten haben, zu nutzen.

Im Hinblick auf die spezifische Frage nach der Unterstützung von Frauen, die Filme machen – wie nimmst du die aktuelle Situation wahr? Hinsichtlich der Ausbildung, des Eintritt in die Arbeitswelt, betreffend Finanzierung und kooperativen Netzwerken?

Ich denke, es gibt immer noch einen großen Unterschied zwischen der Zahl der Frauen, die in der audiovisuellen Welt in verantwortungsvollen Positionen arbeiten wollen, und denen, die es wirklich tun. Die audiovisuelle Industrie wird überwiegend von Männern bestimmt, was eine nur schwer zu überwindende Trägheit mit sich bringt. Glücklicherweise wird man sich dieser Situation bewusst und es besteht die Hoffnung, dass nun die nötigen Mittel ergriffen werden, um diese Situation so umzukehren, dass ein gleichberechtigter Zugang besteht.

Hattest du schon einmal den Eindruck, dass dir dein Einstieg in die Filmindustrie erschwert wurde, weil du eine Frau bist? Wurdest du irgendwann einmal diskriminiert, weil du eine Frau bist?

Ich habe keine Schwierigkeiten dadurch gehabt, eine Frau zu sein. Im Gegenteil, als eine der wenigen Regisseurinnen fühlte ich mich damals besonders beachtet. Es muss dazu gesagt werden, dass meine erste große Chance von Seiten der Filmschule kam, einem Bereich, in dem die Gleichstellung beim Zugang zur Produktion gewährleistet ist. Wenn ich im industriellen Umfeld hätte überleben müssen, wäre es wahrscheinlich komplizierter gewesen. Natürlich kann ich während meiner gesamten Karriere einige Geschichten über Diskriminierung zählen, aber sie haben kaum Auswirkungen gehabt.

Ist die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ein Aspekt, um den du dir Sorgen machst? Siehst du dabei einen Unterschied zu deinen männlichen Kollegen?

Ich mache mir große Sorgen und weiß, dass, wenn ich Kinder habe, das eine Pause in meiner Karriere bedeuten wird. In einem Sektor, in dem die Zukunft durch keinen Vertrag gewährleistet ist, ist das Risiko, keine Kontinuität zu haben, enorm. Als Beispiel für den Unterschied zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Vereinbarkeit mit Familie kann ich von den Erkenntnissen, die wir im Rahmen der Vorproduktion meines letzten Projekts gehabt haben, erzählen. Wir waren ein Team von etwa 10 Menschen, die arbeiteten, 5 Männer und 5 Frauen, im gleichen Alter. Alle Männer hatten Kinder und keine der Frauen. Das war sehr aufschlussreich.

Welche Maßnahmen würden deiner Meinung nach Frauen helfen, in die spanische Filmindustrie einzusteigen? Was würdest du Frauen empfehlen, die in die Welt des Kinos hinein schnuppern wollen?

Ich glaube, dass das von der Assoziation CIMA (Vereinigung der Frauen im Film) Katalonien vorgestellte Quotensystem ein gutes Projekt ist, das beispielsweise in der schwedischen Filmwelt erfolgreich angewendet wurde. Auf jeden Fall empfehle ich Frauen, die Filme machen wollen, das Gleiche, wie ihren männlichen Kollegen: Begeisterung und Ausdauer.