Corona-Countdown

Von Annette Scholz

Deutsche Schule Madrid, © Isabell Krämer

Die Sprecher des öffentlich-rechtlichen Kultursenders Radio 3 sprachen gestern in der Vergangenheitsform über die aktuelle Corona-Situation, während sie gleichzeitig für Januar leise eine dritte Welle prognostizierten.
So wie ich jedes Jahr im Dezember reflektierten sie über die Erlebnisse des endenden Jahres, zogen Bilanz und hielten es ganz mit dem Titel ihres morgendlichen Programms: “Hoy empieza todo” – heute fängt alles an. 

In den letzten Jahren komme ich Ende Dezember eigentlich fast immer zu dem Schluss, dass das neue Jahr nur besser werden kann.
2020 hat uns verändert, vielleicht mehr als wir das bisher absehen kônnen. Neue Begriffe und Termini sind schon Teil unseres alltäglichen Wortschatzes und unserer Konversationen geworden, die wir noch vor einem Jahr nicht kannten. Sogar die Real Academia de la Lengua, die über den spanischen Wortschatz wacht, hat COVID19 als maskulines oder feminines Syndrom, das der Coronavirus verursacht, mit in ihr Wörterbuch aufgenommen.
Um 2020 zu beenden, möchte ich mein eigenes kleines Corona-ABC erstellen.

01.12.2020 A: Alarmzustand
Am 14. März 2020 wurde wegen Corona in Spanien der erste Alarm-, beziehungsweise Ausnahmezustand ausgerufen, um eine rechtliche Basis für einen totalen Lockdown zu schaffen. Sechs Wochen mussten daraufhin alle Bürger zu Hause bleiben, um durch soziale Isolation zu einer Verbesserung der sanitären Notlage mit überfüllten Krankenhäusern beizutragen.

02.12.2020 B: Begrüßung
Vor Corona war die in Spanien übliche Begrüßung zwei auf die Wangen gehauchte Küsse, egal in welchem Verhältnis man zu seinem Gegenüber stand. Seit März sollen wir jede Nähe und unnötigen Körperkontakt vermeiden, was zur Entwicklung der verschiedensten Grußvarianten geführt hat. Beliebt sind nun freundliche Fußtritte, Ellebogenklatscher oder Umarmungsgesten ohne Berührung. Ich halte es gerne mit Winnetou und grüße indem ich den rechten Arm mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger zum Herzen führe, ausstrecke und wieder auf die Brust lege. 

03.12.2020 C: Corona
Es liegt auf der Hand, dass Corona und COVID19 die beiden Worte sind, die 2020 maßgeblich bestimmt haben. Natürlich nicht nur die Worte, sondern der Virus und die Krankheit, die sie bezeichnen. Im Jahr 2020 schwingt in Spanien in dem Wort corona neben der Pandemie jedoch noch eine weitere negative Konnotation mit. Corona, die Krone, die Monarchie, die von immer größeren Teilen der Gesellschaft in Frage gestellt wird, weil der korrupte emeritierte König Juan Carlos I diesen Sommer in sein Luxusasyl nach Abu Dhabi geflohen ist.  

04.12.2020 D: Distanz
Jeder Mensch hat seinen persönlichen ,Tanzabstand’, wie Patrick Swayze ihn in “Dirty Dancing” bezeichnete. Geprägt durch die regionale Kultur und die Erziehung, mit der wir aufwachsen, kommen wir unseren Mitmenschen unter normalen Umständen mehr oder weniger nahe. Dieses Jahr wurde die soziale, beziehungsweise interpersonale Distanz in allen Ländern auf 1,5 bis 2 m vereinheitlicht, damit wir uns gegenseitig vor Corona schützen. Die ungewöhnliche Distanz, die im öffentlichen und privaten Raum eingehalten werden soll, schafft eine gewisse Sicherheit.

05.12.2020 E: Entschleunigung
Als die Regierung von Pedro Sánchez Mitte März den Alarmzustand ausrief und damit einhergehend sämtliche nicht unerlässlichen öffentlichen Aktivitäten aussetzte, wir uns zunächst nur noch in unseren Wohnungen aufhalten durften, erfuhr unser Leben eine Entschleunigung. Kein Ausgehen, keine Freunde treffen, keine Kurztrips und keine Hektik mehr. Auch wenn es für uns alle einen großen Verzicht auf gewohnte Annehmlichkeiten bedeutete, bewirkte diese Entschleunigung gleichzeitig auch eine Umorientierung, eine Suche nach neuen erfüllenden Beschäftigungen und eine Aufwertung dessen, für das unter normalen Umständen keine Zeit ist.

06.12.2020 F: Freiheit
Wir, die wir in einem freien Land zur Welt gekommen sind und keinen Krieg erleben mussten, leiden darunter, wenn wir plötzlich aus gesundheitlichen Gründen über Wochen in den eigenen vier Wänden festsitzen, mit allen nur vorstellbaren Annehmlichkeiten. Als Emma und ich zweimal dieses Jahr zu Hause bleiben mussten, stellte sich bei uns beiden eine gewisse Unzufriedenheit ein, bedingt durch Angst und soziale Isolation. Nach der Quarantäne wieder auf die Straße gehen zu können und andere Menschen zu treffen, gab uns ein zunächst unsicheres aber zufriedenes Gefühl von Freiheit.

07.12.2020 G: Granaten
Von immer mehr Bekannten wussten wir im Laufe der Zeit, dass sie von Corona betroffen waren, die Krankheit kam im Laufe des Jahres immer näher und wir hatten das Gefühl, dass die Granaten wie in einem Krieg immer dichter um uns einschlugen. Mit Emmas Ansteckung hatten wir den ,Kriegsschauplatz’ zu Hause und konnten nur hoffen, dass nicht alles verwüstet würde.

08.12.2020 H: Home office
Für viele gehörte Home office sicher auch vor Corona zum Alltag, hier in Spanien und besonders in der öffentlichen Verwaltung ist die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten, aber eine Neuheit. Sie birgt ein implizites Vertrauen des Arbeitgebers dem Arbeitnehmer gegenüber, das nicht unbedingt selbstverständlich ist. Offensichtlich nutzen in der jetzigen Situation viele Firmen vermehrt die Heimarbeit, da sich derzeit der Berufsverkehr auf Madrids Umgehungsstraßen weniger staut.

09.12.2020 I: Infektionszahlen
Immer wieder haben wir dieses Jahr im Internet nach den aktuellen Infektionszahlen geschaut und werden es wohl auch weiterhin tun, denn sie bestimmen unsere Bewegungsfreiheit, legen fest ob wir das Haus verlassen, Restaurants besuchen oder sogar Reisen in andere Regionen oder Länder machen dürfen. In Deutschland werden bei einem Index von 50 Corona-Fällen bei 100.000 Einwohnern Maßnahmen getroffen, die in Madrid erst bei 500 Fällen pro 100.000 greifen. Wenn auch mit unterschiedlichen Maßstäben, ist die Anzahl der Infizierten in allen Ländern eine Grundlage zur Festlegung der jeweiligen Corona-Regeln.

10.12.2020 J: Jetzt und hier
Die Pandemie verhindert seit knapp einem Jahr, dass wir große Pläne schmieden, zumindest außerhalb unserer vier Wände. Kurztrips, Auslandsreisen, Familienfeiern, Partys und Zusammenkünfte, auf die wir uns unter normalen Umständen oft mit langer Vorlaufzeit freuen, fielen dieses Jahr weitestgehend aus. Das Jetzt und hier ist unser momentaner, eingeschränkter Operationsbereich, den wir mit allem füllen können, was unmittelbar erreichbar ist. Unserer Fantasie sind dabei glücklicherweise keine Grenzen gesetzt und Corona verschont auch unsere selbstgemachten Träume.

11.12.2020 K: Krankenwagen
Während des ersten Lockdowns im Frühjahr diesen Jahres, als wir nur noch für den Gang zum Supermarkt oder zum Arzt das Haus verlassen durften, waren die Straßen größtenteils leer gefegt, nur Krankenwagen und Polizei-Autos fuhren noch durch die Straßen Madrids. Die Sirenen der Krankenwagen klangen auch am Abend als Antwort auf unseren Beifall, dem wird dem Sanitätspersonal jeden Abend an den Fenstern spendeten. Seitdem weckt das Blaulicht und der Ton der Notfahrzeuge immer wieder die Erinnerung an diese merkwürdige Zeit.

12.12.2020 L: Lockdown
Einen Lockdown kannte ich zunächst nur aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum”, womit die langsame Abschaltung des Bordcomputers HAL 9000 bezeichnet wird, der sich im Film der Kontrolle des Raumschiffes bemächtigt hatte. Ähnlich ist es ja, nur dass wir auf der Erde bleiben und die jeweiligen Landesregierungen den Grad des Herunterfahrens beschließen. Je nach Corona-Dichte gibt es den Teil- Total- oder den Lockdown light. Emma wird Lockdown wohl immer gleich mit Corona in Verbindung bringen, nicht mit HAL und Kubrick.

13.12.2020 M: Maßnahmen
Seit März diesen Jahres leben wir beschränkt durch politische Maßnahmen, die zum Schutze unserer Gesundheit von den jeweiligen Regierungen getroffen werden. In jedem Land, sogar in jeder Region sind diese Auflagen angepasst an die Corona-Inzidenzzahlen und schränken die Einwohner mehr oder weniger ein. Vom totalen Lockdown bis zu Sperrstunden, die unser Leben nur sehr geringfügig beeinflussen, haben wir in neun Monaten alles durchlebt.

14.12.2020 N: Neue Normalität
Als Pedro Sánchez im April sein Modell ankündigte, bei dem die einzelnen Regionen Spaniens im Zwei-Wochen- Rhythmus jeweils vier verschiedene Phasen zu durchlaufen hatten, um sich nach dem Lockdown wieder zu ,akklimatisieren’, sprach er das erste Mal von der „neuen Normalität”. Alle Bürger sollten diese erreichen, um sich durch die Veränderungen der Lebensgewohnheiten vor möglichen COVID19-Ansteckungen zu schützen. Acht Monate später ist die neue Normalität Realität, wenn wir bei Durchzug und mit viel Abstand in einem Restaurant sitzen und uns durch die Maske mit unserem Tischnachbarn unterhalten.

15.12.2020 O: Online-Unterricht
Technisch war es wohl schon seit langem möglich, aber bisher noch nie von Nöten: Wer hätte auch unter anderen Umständen je über die Option nachgedacht, an Ballett-, Klavier- und Swing-Stunden über Skype, Teams, Zoom, Jitsi oder Hangout teilzunehmen? Emma ist dieses Jahr während des Lockdowns zur Ipad- und App-Expertin geworden und loggt sich über diese nicht nur selbstverständlich zu den verschiedenen Freizeitaktivitäten, sondern auch gegebenenfalls zum Schulunterricht ein. Cuando se cierra una puerta, se abre una ventana – Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster, wie es im Spanischen so schön heißt.

16.12.2020 P: Pandemie
Natürlich gab es Krankheiten, Epidemien und Pandemien schon vor 2020, aber ganz weit weg, nicht zu Hause. Wir wussten auch schon vor Corona, was das Wort Pandemie bedeutet, aber nicht, was es heißt, diese und ihre Folgen am eigenen Leib zu spüren. Wir wussten nicht, wie es sich anfühlt, täglich nach Sterberaten und Krankenhausbelegungen zu schauen, Angst um Familie und Freunde zu haben und sich eine Reihe von zunächst unnatürlichen Gesten zur Gewohnheit zu machen, um sich und andere vor einer Ansteckungen zu schützen.

17.12.2020 Q: Quarantäne
Corona hat mein bisheriges Quarantäne-Konzept völlig durcheinander gebracht. Bisher dachte ich immer, dass nur Haustiere in Quarantäne müssen, wenn sie von einem Land in ein anderes transportiert werden. Daher assoziiere ich mit Quarantäne immer einen Hund in einem Käfig am Flughafen. Dieses Jahr habe ich aber verstanden, dass Quarantäne nicht auf Tiere beschränkt ist, sondern sogar im Gegenteil Hunde einen gewissen Auslauf für den Menschen sichern und dass Flughäfen bei Quarantäne eher kontraindiziert sind.

18.12.2020 R: Risikogebiete
Risikogebiete gab es schon immer, so lange ich denken kann. Allerdings brachte ich mit dieser Bezeichnung bisher immer Länder in Verbindung, die meist fern von Europa in einen Krieg verwickelt oder von großen Umweltkatastrophen bedroht waren. Im Jahre 2020 wurden Italien, Frankreich und Spanien zu Risikogebieten und sind es weiterhin, solange die Corona-Zahlen nicht sinken. Auch Deutschland hat in den letzten Wochen den Status ,Risikogebiet’ erreicht. Europa hin oder her, jetzt dürfen wir zwar weiterhin ohne Passkontrolle, aber nur noch mit ,Gesundheits-Visum’ in Form von Einreiseanmeldung und Corona-Test, die jeweiligen Grenzen überschreiten.

19.12.2020 S: Sperrstunde
Bei dem Terminus Sperrstunde muss ich zunächst an Filme über Bürgerkriege denken und assoziiere Dramen über die Pinochet-Diktatur in Chile. Meine Freundin Anette denkt an England und die Sperrstunde für Pubs. Wegen Corona erleben wir hier erstmals eine Einschränkungen in unserer Freiheit, ausgehen zu dürfen. Wie Aschenputtel müssen wir nun rechtzeitig um 0 Uhr zu Hause sein, damit wir nicht zu Regelbrechern werden, verwandeln uns glücklicherweise aber nicht in Kürbisse, sondern bekommen höchstens eine Strafe aufgebrummt. Ich frage mich, ob es mir zu denken geben sollte, dass mich eine Sperrstunde von 0 Uhr bis 6 Uhr eigentlich gar nicht berührt.

20.12.2020 T: Toilettenpapier
Wer hätte gedacht, dass Toilettenpapier einmal zur Mangelware werden würde? Es hätte auch niemand geglaubt, dass wir Hamsterkäufe machen würden, um mehrere Wochen zu Hause überleben zu können, obwohl Supermärkte nie geschlossen wurden. Toilettenpapier wurde dieses Jahr zeitweise zum Luxusgut, da in den Regalen bei Alcampo manchmal die Bestände ausgingen. Emma und ich mussten während des Lockdowns gezwungenermaßen auf die grüne Variante mit Aloe Vera umsteigen, deren Duft die ganze Wohnung erfüllt. Mittlerweile haben wir uns aber so daran gewöhnt, dass wir ihr treu bleiben. Ein neuer kleiner Luxus.

21.12.2020 U: Unsicherheit
2020 sind langfristige Planungen so gut wie unmöglich geworden. Das meiste von dem, was wir uns vorgenommen hatten, mussten wir absagen, anpassen oder hatten bis zum letzten Moment die Angst, dass alles annulliert werden müsste. Unsicherheit hat das ganze Jahr geprägt, aber nicht nur in Hinblick auf Planungen, sondern auch im Umgang mit der Pandemie-Situation. Wir mussten Entscheidungen treffen: Wir waren verunsichert im Umgang mit unseren sozialen Kontakten, wen weiterhin treffen, wen nicht? Was ist gefährlich und birgt Ansteckungsgefahr, was nicht? Corona hat uns aus unserer alten Komfortzone gerissen und uns auf einen neue, ungewissen Weg geschickt.

22.12.2020 V: Virus
Virus ist mit Sicherheit das Unwort des Jahres. Es wäre schön, könnte man einfach ein Antivirus-Programm in unserem Organismus installieren, wie auf einen Computer, um uns gegen COVID19 zu schützen – am besten mit regelmäßigen Updates. Viren sind ja nichts Neues, das ganze Leben schlagen wir uns mit ihnen herum. Aber dass wir irgendwann mit einem zu kämpfen hätten, der flächendeckend das Leben der Menschen verändert, damit hätte ich nicht gerechnet. Das ist wie Science fiction. Und jetzt scheint dieses Exemplar auch schon zu mutieren, sodass die langersehnte Impfung vielleicht doch erst wieder aktualisiert werden muss, um tatsächlich zu wirken.

23.12.2020 W: Weihnachten 
Weihnachten ist jedes Jahr in vielen Familien ein Reizthema, aber auch, wie es in den unzähligen Christmas Pop Songs besungen wird, angeblich die schönste Zeit des Jahres. Diese Meinung teile ich schon lange nicht mehr, daran hat Corona auch nichts geändert. Dieses Jahr hat sich der gesellschaftliche Druck jedoch umgekehrt, statt unbedingt die Familie zusammenzuführen, sollen wir genau auf diese Zusammenkünfte verzichten. Oma und Opa in Deutschland werden wir nur am Bildschirm sehen, Papa und die Geschwister in Madrid auch. Emma und ich bleiben zum ersten Mal alleine und werden einfach nur tun, auf was wir beide richtig Lust haben.

24.12.2020 X: X-Chromosom
Statistisch gesehen, sind Männer wohl anfälliger, an COVID19 zu erkranken, als Frauen. Wissenschaftler untersuchen nun, ob diese Tatsache mit einem Enzym zusammenhängt, dass auf den X-Chromosomen zu finden ist. Erstaunlich, was in diesem einen Jahr schon alles über diesen Virus herausgefunden wurde und wie sehr sich die Informationen im Laufe der Monate überschlagen und verändert haben. Ibuprofen sollte man nicht einnehmen, wenn man Corona hat, kursierte eine Nachricht im März und Trump riet im April seinen Bürgern, sich Desinfektionsmittel gegen die Krankheit zu spritzen. Jetzt hoffen wir, dass die Nebenwirkungen der Impfungen gegen COVID19 erträglich sind und diese auch gegen die neuen Virus-Varianten schützt.

25.12.2020 Y: YouTube
Die Internet-Plattform YouTube und ihre App-Option für Handys lagen schon vor Corona hoch im Kurs. In Spanien hat sie in den Lockdown-Frühlingswochen allerdings noch 55% Nutzer zugelegt. Kinderfilme und -lieder waren in dieser Zeit besonders gefragt. Auch Emma hat dieses Jahr Gefallen an YouTube gefunden, allerdings weniger als Konsumentin, denn als Video-Künstlerin. Sie hat an ihrer Influencer-Facette gearbeitet, einen eigenen Kanal erstellt und jüngeren Mitschülern Erklärvideos aufgenommen. 

26.12.2020 Z: Zuhause
Home sweet home. So viel Zeit wie dieses Jahr haben wir noch nie zu Hause verbracht. Unsere Komfortzone in den eigenen vier Wänden war auch noch nie so wichtig. Daher haben wir es uns besonders schön gemacht und, sobald es möglich war, Umbau- und Umräumarbeiten vorgenommen, die lange schon fällig waren. Uns wurde in dieser Zeit im Eigenheim unser Glück bewusst, dass wir eine Wohnung mit Platz und Terrasse unser Zuhause nennen können und nicht wie andere mit vielen Menschen auf engem Raum und womöglich ohne Fenster leben. 

27.12.2020 Ä: Änderungen
2020 hat viele Veränderungen mit sich gebracht, im Hinblick auf unsere Bewegungsfreiheit und täglichen Abläufe. Aber nicht nur das. Corona hat unser Leben in vielerlei Hinsicht vorübergehend entschleunigt, unsere persönliche Entwicklung jedoch beschleunigt. Emma und ich sind uns darüber bewusst geworden wer und was uns in unserem Leben besonders wichtig ist, was wir brauchen, um zufrieden zu sein und wie wir miteinander umgehen sollten, um uns dauerhaft zu verstehen. 

28.12.2020 Ö: Öffentlichkeit
In den vielen Monaten, in denen wir immer wieder die öffentlichen Corona-Zahlen auf den verschiedenen Internetseiten und in den Zeitungen konsultiert haben, mussten wir uns wiederholt fragen, welche der vielen Angaben eigentlich korrekt sind. Im Hinblick auf die Vor- und Nachteile, die entsprechende Informationen für die eine oder andere politische Partei haben können, wurde uns die mediale Manipulation der Öffentlichkeit deutlicher denn je vor Augen geführt.

29.12.2020 Ü: Überraschung
Ich habe einen Freund, der keine Überraschungen mag. Bei mir ist das anders, ich freue mich über die kleinste Geste, die nicht vorhersehbar ist. Dieses Jahr musste ich lernen, dass Überraschungen aber nicht immer positiv sind. 2020 hielt, geknüpft an Corona eine Reihe weniger schöne Dinge für uns bereit, die wir nicht erwartet hatten. Aber nicht nur. Glücklicherweise ist unser Gedächtnis selektiv und vergisst die unangenehmen Erlebnisse schneller als die schönen, sodass mein Rückblick auf das letzte Jahr trotz aller unangenehmen Überraschungen positiv ausfällt.

30.12.2020 Au: Augenblicke
„Das Glück besteht nur aus kurzen Momenten”, sagte mir einmal ein Bekannter in Chile und immer mehr komme ich zu dem Schluss, dass er recht hat. Wenn ich 2020 vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, kommen mir verschiedene besondere Augenblicke in den Kopf, die ich nicht vergessen werde. Emmas Geburtstag während des absoluten Lockdowns wird für sie unvergesslich sein. Schon damals sagte sie mir am Abend „Mama, ich werde diesen Geburtstag nie vergessen. Ich möchte nicht, dass er vorbei ist, er war wunderschön!”

31.12.2020 Eu: Euphorie
Nach den aktuellen Memes zu urteilen, die zum Jahresende über Handy und Internet verschickt werden, herrscht momentan ein allgemeiner Wunsch, das Jahr 2020 zu beenden und eine Euphorie, 2021 so zu beginnen, als ob schlagartig alles anders wäre. Dabei frage ich mich, ob die guten Vorsätze für nächstes Jahr ausbleiben und wir uns nur alle wünschen, dass wir zu einer gewissen ,alten’ Normalität zurückkehren können. Wenn Corona per Impfung eingedämmt wird, warten schon neue Überraschungen auf uns. Das steht fest!

Gutes neues Jahr!

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